Tipps für eine moderne Frachtraumplanung.
Transportkosten stehen seit Jahren unter Druck – Lieferketten werden komplexer, Kundenerwartungen höher und Personalressourcen knapper. Unabhängig davon, ob es um Standardwaren, voluminöse Güter oder Spezialtransporte geht:
Frachtraum ist heute ein strategischer Engpass.
Doch bevor wir uns auf konkrete Optimierungspotenziale konzentrieren, lohnt ein kurzer Blick auf die unterschiedlichen Transportsegmente – denn jedes hat seine eigenen Herausforderungen und Stellhebel.
- KEP (Kurier-, Express-, Paketdienstleister)
Hohe Taktung, geringe Sendungsgrößen, stark abhängig von Sortier- und Zustellprozessen. - Stückgut (wenige Paletten, 1–3 Ladungsträger)
Komplex durch Umschlagpunkte, Hub-&-Spoke-Netzwerke, Laufzeitanforderungen. - LTL (Less Than Truckload)
Gemischte Ladungen, intelligente Konsolidierung entscheidend. - FTL (Full Truck Load / Komplettladungen)
Ein Verlader füllt einen LKW vollständig, dadurch besonders starke Hebel bei Fahrzeugtyp, Volumen, Verpackung und Planung.
In allen Segmenten gibt es Optimierungspotenziale – sei es durch bessere Konsolidierung, effizientere Routenplanung oder smarte Verpackung.
In diesem Beitrag wollen wir exemplarisch aufzeigen, welche Hebel speziell im FTL-Bereich bestehen – also dort, wo ganze LKW-Kapazitäten geplant, genutzt und optimiert werden. Genau in diesem Bereich ist Schuon schwerpunktmäßig zuhause.
Markt, Herausforderungen & Kostentreiber in der Transportlogistik
Obwohl viele Branchen aktuell langsamer wachsen, bleibt Frachtraum knapp. Grund ist vor allem der weiter zunehmende Fahrermangel: Zahlreiche Fahrer gehen in Rente, neue rücken kaum nach. Das gilt über alle Transportsegmente hinweg.
Für Verlader bedeutet das:
- Frachtraum bleibt strategisch wichtig – und knapp
- Preise steigen oder müssen langfristig abgesichert werden
- Planbarkeit und Partnerschaft werden essenziell
Gerade im FTL-Bereich bietet sich an, Kapazitäten über langfristige Verträge, Preisklauseln (z.B. Diesel, Personalindex, Allgemeinkosten) und transparente Partnerschaften abzusichern.
Unternehmen, die hier vorausschauend planen, verschaffen sich Stabilität und profitieren von verlässlichen Kontingenten.
Frachtraumplanung – Grundlagen & typische Fehler
1. Warum viele Unternehmen ungewollt „Luft“ transportieren
Einer der größten Kostenfaktoren? Unzureichende oder falsche Frachtraumnutzung. Typische Ursachen:
- Paletten sind nicht stapelbar
- Verpackungen nutzen die Höhe eines LKW nicht aus
- Maße sind ungenau oder veraltet
- Empfängerrestriktionen (z. B. Palettenhöhe) werden ungeprüft übernommen
- Fahrzeuge werden im Standardmaß gebucht, obwohl Volumenfahrzeuge mehr Effizienz bringen würden
Nicht selten führt das zu Situationen, in denen die obere Hälfte eines LKW sprichwörtlich „frische Luft transportiert“.
Und manchmal entsteht ein kleiner Schmunzler, wenn man gemeinsam im Gespräch feststellt:
„Die Palettenhöhe war nie wirklich fix – wir haben es einfach nur so übernommen.“
2. Fahrzeugtypen & Hubdachlösungen richtig nutzen
Viele Verlader unterschätzen, wie groß der Unterschied zwischen klassischen LKW und Volumenfahrzeugen ist:
| Fahrzeugtyp | Ladevolumen | Innenhöhe |
| Standard-LKW | ca. 85 m³ | ca. 2,60 m |
| Mega-Trailer | ca. 100 m³ | 3,00 m |
| Lang-Mega | ca. 110 m³ | 3,00 m |
| Jumbo-Gliederzug | ca. 120 m³ | 3,00 m – 3,15m |
| Lang-LKW Typ 3 | bis 160 m³ | 3,00 m |
Mit Hubdach wird jeweils die volle Innenhöhe nutzbar – ideal zur dreifachen Verladung von für Gitterboxen, leichte Volumengüter und Ladegut mit großem Höhenbedarf.
3. Verpackung als strategischer Hebel
Ein besonders eindrucksvolles Kundenbeispiel aus der Praxis stammt aus dem Automotive-Bereich:
Ein OEM verkürzte seine Paletten bzw. Transportgestelle um 15 Zentimeter, was vorher unmöglich erschien. In einem gemeinsamen Gespräch wurde einfach analysiert, welche Vorteile das bringen würde und dabei waren die entstehenden Kosten für die Sonderform der neuen Paletten verschwindend gering.
Das Ergebnis:
- statt 2 passten nun 3 der großen Paletten hintereinander auf einen LKW
- die Auslastung pro Fahrt stieg um ganze 33 %
- jede vierte Fahrt wurde also überflüssig
- Transportkosten und CO₂-Emissionen sanken um 25 %
Nicht schlecht für ein paar Zentimeter, oder? Ein Beispiel, das zeigt, wie sehr Kleinigkeiten Großes bewirken und das wäre ohne einen gemeinsamen Blick auf den gesamten Prozess zwischen Versender und Logistikpartner nicht möglich gewesen.
Volumenfahrzeuge & Lang-LKW – Effizienz, die wirkt
1. Mehr Volumen, weniger Fahrzeuge, niedrigere Stückkosten
Volumenfahrzeuge und Lang-LKW sind echte Multiplikatoren für Effizienz. Wer ihre Vorteile nutzt, kann oft 15–30 % der Fahrzeuge einsparen – je nach Branche und Ladegut.
Weniger Fahrzeuge bedeuten:
- weniger Rampenkontakte
- weniger Abfertigungspersonal
- weniger Verkehrsaufkommen
- weniger CO₂-Emissionen
- niedrigere Stückkosten
Und die beliebten Vorurteile über Volumentransporter? Zum Beispiel: „Das sind doch Schwertransporte.“ Stimmt nicht – das meiste sind Volumentransporter (Jumbo-LKW), keine Schwertransporte – es lediglich Fahrzeuge die die gesetzlich zulässigen Maße maximal ausnutzen.
2. Speziallösungen für spezielles Ladegut
Manchmal lohnt es sich, über den Standard hinauszugehen und einen vollständig angepassten Fahrzeugtyp zu entwickeln – wie im bereits erwähnten Automotive-Beispiel. Durch das dort entstandene Vertrauen in die gemeinsame Optimierungsarbeit (u. a. durch die Palettenverkürzung und die damit erreichte Effizienzsteigerung) wurde bei einem anderen Kunden ein weiterer Workshop angestoßen, um zusätzliche Potenziale für ein besonders sperriges Sondergut – in diesem Fall Karossen – zu identifizieren.
Dabei zeigte sich: Für solche Güter kann ein speziell konstruiertes Fahrzeug erhebliche Vorteile bieten. In diesem Fall wurde ein Sonderfahrzeug mit Tiefbett entwickelt und der Fahrzeugaufbau so angepasst wurde, dass zwei Karossen übereinander transportiert werden können. Dadurch erhöhte sich die mögliche Transportmenge pro Fahrt im Vergleich zu einem Standardfahrzeug ebenfalls um ein Drittel.
Ein solcher Sonderaufbau ist kein Selbstzweck, sondern wirtschaftlich klar begründbar: Die Investition amortisiert sich durch den messbaren Mehrertrag und die reduzierte Anzahl an Transporten in einem klar definierbaren und kurzen ROI-Zeitraum.
Auch in anderen Branchen ermöglichen maßgeschneiderte Lösungen eine höhere Effizienz, z. B.:
- Tiefbettauflieger für IBCs
- gekürzte oder angepasste Transportgestelle
- Ultralight-Jumbo-Fahrzeuge mit 3,15m Innenhöhe
Solche Entwicklungen entstehen in enger Zusammenarbeit zwischen Verlader und Logistik Partner wie Schuon – und zahlen sich langfristig massiv aus.
Operative Optimierungshebel
Damit der Frachtraum optimal genutzt werden kann, müssen viele Zahnräder ineinandergreifen.
1. Digitale Planung & TMS-gestützte Optimierung
Moderne Partner wie auch wir bei Schuon nutzen ein leistungsfähiges Transportmanagementsystem (TMS), das unter anderem:
- Frachtraum konsolidiert
- Touren optimiert
- Kundenrestriktionen (Öffnungszeiten, Abladepunkte) berücksichtigt
- Lenk- und Ruhezeiten einbindet
- die bestmöglichen Fahrzeugtypen automatisiert empfiehlt
Bei Dämmstoffen z. B. werden Sendungen digital so kombiniert, dass Volumen, Route und Zeitfenster perfekt zusammenpassen.
Und künftig identifiziert die TMS durch KI noch zusätzliche Potenziale.
2. Best Practise Ansätze wie Warehouse on Wheels (WoW) & Traileryards
Durch Vorladekonzepte lassen sich Lager- und Versandprozesse entkoppeln:
- kein Ausbau von Lagerflächen notwendig
- Trailer können flexibel getauscht werden
- bessere Auslastung im Lager
- weniger Druckspitzen
Für viele Kunden wird die Logistik dadurch planbarer, stabiler und deutlich kosteneffizienter.
3. Fahrerfreundlichkeit nicht vergessen
Ein kleiner, aber hochwirksamer Hebel: Mach es dem Fahrer angenehm. Toilette, Kaffeeautomat, WLAN & co. – manchmal entscheidet genau das, ob ein Fahrer gerne kommt oder nicht. Und wer gerne kommt, kommt häufiger – und sorgt aktiv dafür, dass Prozesse reibungslos laufen. Auch solche Softfacts gehören im Alltag tatsächlich zu Optimierungsmaßnahmen, die zu messbaren Verbesserungen führen.
Vorteile für Verlader – Kosten, Nachhaltigkeit und Organisation
Optimierte Frachtraumnutzung bedeutet nicht nur niedrigere Transportkosten. Unternehmen profitieren zugleich von:
- weniger Fahrzeugbedarf
- weniger Staus auf dem Hof
- weniger Rampenbelegungen
- weniger Personalbindung
- mehr Nachhaltigkeit
- mehr Planungssicherheit
- und deutlich niedrigeren Stückkosten
Kurz gesagt: Weniger Verkehr, weniger Aufwand, weniger CO₂ – und mehr Effizienz pro Euro stehen für Nachhaltigkeit durch Transportraumoptimierung
Ein Paradebeispiel für den Mehrwert von partnerschaftlicher Optimierung ist der besagte Automotive-Kunde, der seine Ladungsträger angepasst hatte. Oft erreicht man durch solche Maßnahmen ein erstaunliches Ergebnis:
Ein minimales Maß der Palette als Ladungsträger wurde reduziert – und plötzlich passten 33 % mehr auf jede Tour.
- 30 % weniger Kosten
- 30 % weniger CO₂
- 33 % mehr Ladevolumen
- jede dritte Fahrt überflüssig
Wir bei Schuon haben noch ein zusätzliches Modifizierungspotenzial, durch unseren flexiblen und vielfältigen Fahrzeugbestand mit unterschiedlichen Zugfahrzeugen, Anhängern und Sonderlösungen im Aufbau. Hier ein Beispiel, die man durch die richtige Wahl der Fahrzeugkombination deutliche Effizienzsteigerungen erreichen kann:
In der Darstellung sieht man den Unterschied beim Einsatz von Fahrzeugen mit speziellen Abmessungen. Durch den Tausch eines LKWs in der „6+9 m Anordnung“ statt klassisch 2x 7,70m um 3m Material Einheiten zu beladen, bekommt man direkt zwei Paletten mehr auf den Zug:
Ladevariante mit 2×7,70m

vs. Ladevariante mit passendem Fahrzeug bei gleichen Kosten:

Oft ist ein sehr guter Zusatznutzen, dass das Ladungsgewicht besser verteilt werden kann – Stichwort „Homogene Nutzlast / Achslasten“ für mehr Sicherheit.
Wo geht die Reise hin? – Die Zukunft der Frachtraumplanung
Die Zukunft gehört wie in fast allen Branchen der Digitalisierung – aber einer sehr praktikablen, die echten Nutzen stiftet.
Ein Beispiel aus dem E-Commerce Bereich zeigt das deutlich:
Ein europäischer Hersteller von Kampfsportartikeln arbeitet eng mit Spedition und seinem Händlernetzwerk zusammen.
Über eine Webservice-Anbindung fragt das Shop-System live ab, welche Versandkosten entstehen, wenn z. B.:
- ein Boxsack
- mehrere Matten
- oder anderes Sperrgut
in den Warenkorb gelegt werden.
Dahinter laufen komplexe Frachtraum- und Gewichtskalkulationen – aber der Kunde im Shop sieht einfach einen transparenten, korrekt kalkulierten Versandpreis, und die passende Transportraumplanung erfolgt unsichtbar im Hintergrund.
Die Auswirkungen:
- enorme Einsparpotenziale
- weniger Fehlkalkulationen
- automatisierte Transportentscheidungen
- optimale Auslastung
- Planbarkeit für den Kunden, Händler und Logistiker
- und bessere Margen für alle Beteiligten
Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass Versender, Händler und Logistiker gemeinsam denken. Nur so entstehen Lösungen, die wirtschaftlich und nachhaltig sind.
Und genau das gilt auch in Zukunft:
Wer Digitalisierung, Partnerschaft und intelligente Frachtraumplanung zusammenführt, wird Wettbewerbsvorteile erzielen – im FTL genauso wie in LTL, Stückgut oder KEP.
Intelligent heißt hierbei konkret: Vorab enger zusammenarbeiten und gemeinsam optimieren führt hierzu: Mehr transportieren – Mit weniger Ressourcen – Für eine Logistik, die zukunftsfähig ist.

